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Ein grossartiges Erlebnis!


Mit FreiPass und der Alpeninitiative an der Furka, mit Sperrung für den motorisierten Verkehr zwischen Gletsch und Realp,
am 11. / 12. August 2007

Bericht der Netzmeisterin

Selbst der Himmel gab uns recht, Petrus ist Velo-Fan und Alpenraumliebhaber!!! Nach Tagen, während denen die halbe Schweiz buchstäblich im Wasser versunken war, zeigte sich das Wetter am Wochenende des geplanten Anlasses von FreiPass und Alpeninitiative von der freundlichsten Seite. Um sieben Uhr morgens, als ich in Basel aus dem Bett kroch, war es noch bewölkt, später dann fuhren wir mit der Eisenbahn der Sonne entgegen.

Bereits in Göschenen waren auffallend viele Leute mit Velos unterwegs, es fanden nicht alle Platz im Anschlusszug nach Andermatt. Ist das am Wochenende immer so, fragte ich mich, oder wird die gesperrte Furkapass-Strasse wie erhofft zum Publikumsmagnet?
In Andermatt nahm ich meinen Flyer entgegen, wie gewünscht mit Klickpedalen versehen. Da ich für die Webseite fotografieren wollte, und zwar die Velofahrenden nicht nur von hinten, hatte ich mich entschieden, ein Elektrovelo zu mieten. Mit dem nächsten Zug fuhr ich nach Oberwald (1368 m.ü.M), wo sich eine Handvoll FreiPässlerInnen am Bahnhof besammelte, die meisten mit Velos, aber auch ein Läufer fand sich ein! Und wir wussten: Auch in Andermatt besammelte sich eine FreiPass-Gruppe am Bahnhof.


Nach einer kurzen Begrüssung des Präsidenten Simon Bischof nahmen wir den Weg nach Gletsch (1759 m.ü.M) unter die Räder. Angesichts des regen Verkehrs stieg unsere Vorfreude auf die gesperrte Pass-Strasse nochmals beträchtlich!
Und schon hier gab es recht steile Abschnitte, die ich aber dank des Flyers ohne nennenswerte Anstrengung überwand…




In Gletsch dann war alles vorbereitet, die Strassensperre und die Männer und Frauen der Sicherheitsorganisation warteten auf ihren Einsatz, auch die Polizei war anwesend, ebenso ein Journalist des „Walliser Boten“, der sich unter anderem erkundigte, woher wir angereist kämen. Nach den zum Teil recht erbosten Leserbriefen in ebendieser Zeitung während der letzten Wochen blieb jetzt jedoch alles friedlich. Es wurden auch Autos mit Walliser Kennzeichen gesichtet, die ihre mitgebrachten Velos abluden, um ebenfalls diese einmalige Gelegenheit zu nutzen...
Ab punkt 15:00  Uhr gab es kein Durchkommen mehr für motorisierte Zeitgenossen. Es blieb der Gegenverkehr, da auf der anderen Seite ja auch erst um 15 Uhr geschlossen wurde.


Nun strömten also Velofahrende den Berg hinauf: Männer und Frauen, Ältere und ganz Junge, mit Gepäck oder mit Rennvelo, von durchgestylten oakleytragenden Sportskanonen über weniger aufwändig Ausgerüstete bis zu Pass-AnfängerInnen war alles vertreten. Nach einer Weile liess dann auch der Gegenverkehr nach und immer mehr Genuss kehrte ein. Es konnte problemlos nebeneinander gefahren werden, was angeregte Diskussionen, neue Bekanntschaften oder ein Austausch unter Gleichgesinnten ermöglichte. Auch ein Anhalten an unter textschwarzen Umständen ungünstigen Stellen war möglich: Aussicht geniessen und Fotohalte nach Belieben, in der Nase anstelle von Abgasen der Duft von Männertreu. Nicht zu vergessen die Geräuschkulisse, für einmal nicht übertönt von röhrenden PS: Das Plätschern des Bergbachs, das Pfeifen des Murmeltiere.


Beim Hotel Belvedere gesellten sich dann auch die WandererInnen zu uns auf auf die Strasse: eine stille Prozession Richtung Passhöhe, sogar ein Murmeli blieb verdutzt sitzen vor seinem Bau, staunend über die vielen Zweibeiner, die sich so ungewohnt langsam und ruhig näherten.
Auf der Passhöhe stellte die Urner Polizei sicher, dass die Sperrung auch dort eingehalten wurde: auf die Urner Seite gab es keine Abfahrt für Motorisierte. Was flugs auch von Rollbrettfahrern genutzt wurde.


Emsiges Treiben beim Pass-Schild (2436 m.ü.M): Stolze „Juchzer“ waren zu hören, man fotografierte sich gegenseitig, „Beweismaterial“ sammelnd, FreipässlerInnen, „Wilde“, Alpenbrevet-Absolvierende. Man sagte mir, dass die Route zeitlich so gelegt worden war, dass auch das Alpenbrevet in den Genuss der gesperrten Strasse kommen konnte. Dann das grosse Anziehen: spätestens jetzt wurde der Helm montiert, Windjacken und -stopper, Ärmel und Hosenbeine wurden aus Minimalgepäck gezaubert.


Eingepackt dann die Abfahrt zum Hotel Tiefenbach. Ein Zigerkrapfen gegen den gröbsten Hunger, erstanden am Stand der Alp „Galenstock“. Im Hotel ein grosser Ansturm, tadellos organisiert: schon bald stand ich unter der Dusche, und ohne Diskussion konnten wir den Platz fürs Abendessen tauschen, um mit meinem kurzentschlossenen Bruder und der Schwägerin am gleichen Tisch zu sitzen. Schliesslich schafften wir es gerade noch auf den Bus zum Höhenfeuer der Alpeninitiative.


Inzwischen hatte sich der Nebel ausgebreitet, sodass man die Bergwelt nicht mehr erkennen konnte. Für die unmittelbare Umgebung reichte die Sicht: wir sahen die etwa zweihundert Menschen, die beim aufgeschichteten Feuer standen, wir sahen (und hörten!) den Vizepräsidenten der Alpeninitiative, Alphornbläser und Sagenerzähler Andreas Weissen, den Urner Regierungsrat Markus Züst und den Walliser Staatsrat Thomas Burgener. Schliesslich wurde das Feuer entfacht, Zeichen des Willens und der Hoffnung der Anwesenden, den Alpenraum als Lebensraum zu erhalten.

Communiqué der Alpeninitiative


www.alpeninitiative.ch



Andreas Weissen erheiterte uns schliesslich noch mit einer Geschichte vom lieben Gott und den Wallisern. Vor Jahren hatte ich im Wallis eine Alp gemacht und fand mit dieser Geschichte meine Erfahrungen mit diesem Völkchen auf unterhaltsamste Weise untermalt.


Schliesslich kehrten wir mir dem Shuttle-Bus ins Hotel zurück und genehmigten uns einen Schlummertrunk, zufrieden und in der Gewissheit, dass sich die Arbeit der letzten Wochen und Monate gelohnt hatte.


Am Sonntag nach dem Frühstück noch Käse eingekauft auf der Alp „Galenstock“ und dann, bei strahlendem Sonnenschein, die Abfahrt Richtung Realp-Andermatt.
Man hätte sie gestern machen müssen, denke ich, als ich pausenlos von Motorrädern überholt werde und schliesslich bremsen muss wegen riesigen Bussen, die kaum die Kurven kriegen...


Dieses Wochenende war ein Aufsteller und motiviert mich für weitere Projekte in dieser Richtung.
Wir von FreiPass hoffen, viele von Euch ebenfalls!

Basel, im August 2007

schneisi, Vorstandsmitglied FreiPass und webmaster@freipass.ch


Fotos © by FreiPass, Einzelne mit freundlicher Genehmigung anderer TeilnehmerInnen.