Mit FreiPass über den Sustenpass!
Ansprache von Paul Jans, Urner Landrat, bei der Eröffnung des Anlasses in Wassen






Der Erbauer des ersten Alpendurchstiches im Urnerloch bei der Teufelsbrücke, der Tessiner Ingenieur Pietro Morettini bekam 1712 den Auftrag, ob dem Breitenwasen eine Festung zu bauen, die Meienschanze. Diese war gegen den Sustenpass gerichtet, als Schutz gegen die angriffslustigen Haslitaler. 1799 wurde die Festung durch die Franzosen zerstört, interessanterweise diente sie jedoch den Urnern dieses Mal für den Feind, welcher aus der falschen Richtung kam.

Titlis Tunneldurchstich und damit eine Verbindung Meiental und Engelberg, diese Vision herrschte in den 20 Jahren des letzten Jahrhunderts. 1928 waren es die Berner, welche mit einem Strassenprojekt über den Susten aufwarteten. Dieses Mal waren die Berner die schnelleren.

Korporationspräsident Anton Gamma, vom Kurhaus hier in Wassen, wurde zum eigentlichen Antriebsmotor der Urner Interessen. Eine kantonale Volksabstimmung zur Erstellung einer Güterstrasse nach Meien erhielt nicht genügend JA Stimmen, was die Wassner sehr enttäuschte und man den Glauben an eine Strassenerschliessung verlor. Das Herannahen des Zweiten Weltkrieges veranlasste die Armee, mit dem Susten auch strategische Ziele zu erreichen. 1938 wurde an einer denkwürdigen Abstimmung grünes Licht für die Erstellung der Sustenstrasse gegeben. Noch im Herbst wurde mit den Arbeiten in der Moosmatte begonnen. Ein eigentlicher Spatenstich fand nicht statt, obwohl man die ersten Rasenziegel von Hand ausstach. Während dem Krieg 1939 wurden unter schwierigen Bedingungen die Arbeiten fortgesetzt. Um im Meiental zeitgleich mit den Arbeiten fortzufahren, baute man den alten Sustenweg ab Wassen aus, währenddem im Meienreuss Tobel die Arbeiten zügig voranschritten. Verstärkt wurden die Arbeiter durch internierte Soldaten, meist Polen. Interessanterweise hiess der damalige Baudirektor Karl Gerig, Hotel des Alpes in Wassen und der Kantonsingenieur war der verdiente Dominik Epp.

Die Strasse wurde am 7. September 1946, also vor 62 Jahren und 13 Tagen von Bundesrat Etter mit einer schlichten Feier auf dem Schulhausplatz eröffnet.

Es ist unbestritten, dass das ruhige Meiental mit der Strasse eine anderes Bild, eine andere Perspektive bekam. Man hat sich an den wachsenden Verkehr gewöhnt, der Verkehr wurde zum festen Bestandteil von Existenzen, von Passrestaurants, SAC Hütten, Alpwirtschaftsbetrieben und dergleichen. Ein sanfter Tourismus als angenehme Nebenerscheinung entstand, denn viele Gemächer wurden zu Ferien- und Freizeitzwecken erworben. Obwohl der Sustenpass die kürzeste Öffnungszeiten aller Urner Pässe hat, reicht es für viele Anbieter von Dienstleistungen für eine karge Existenz.

Wenn nun zum heutigen Anlass auch Stirnrunzeln und Fragezeichen der Einheimischen im Raume stehen, so muss man für diese Skepsis Verständnis aufbringen.

Doch meine ich aus innerer Überzeugung, dass sich dieses Experiment lohnt. Es ist eine Investition an eine künftige Neuausrichtung von Werten, welche wir nur hier im Alpenraum kennen. Zu Selbstverständlich wird der Susten abgerast. Abgase und Lärm sind nur Belastung, sie bringen nichts, weder den Bernen noch den Urnern. Selbst Geniesser der Passfahrten im Postauto oder im privaten Verkehr wünschen sich mehr Besonnenheit bei der Benützung der wunderschönen Passstrasse durch ein wunderschönes Alpental.

Der Handschlag der Urner zu den Bernern erfolgt heute etwas gemächlicher. Die Strasse soll heute bewusst den völkerverbindenen Charakter nach Berner Art erfahren, gemächlich und numä nid gschprängt.

Der Spruch ganz oben auf dem Pass beim Scheiteltunnel: In ernster Zeit dem Frieden geweiht, gilt heute noch, auch wenn er auf die heutige, hektische und unruhige Zeit herunter zu brechen ist.

Den Organisatoren wünsche ich viel Glück und Erfolg und vor allem keine Unfälle.









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